MUSIC WATCH: Flying Lotus - You're Dead

sandra
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Zu sehr Vision und zu wenig greifbar.
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Man fragt sich vielleicht völlig zurecht, was man als Rapper, DJ und Produzent eigentlich noch alles erreichen könnte, wenn man im fünften Teil der kultigen Game-Reihe Grand Theft Auto einen eigenen Radiosender gewidmet bekommt, der die Hintergrundmusik in Form von Tyler, The Creator , Aphex Twin und seinem rappenden Alter Ego Captain Murphy für diverse Überfälle und anderen Schandtaten abliefert. Die Rede ist von Flying Lotus, dessen musikalische Karriere dank seiner Familie quasi schon vorbestimmt wurde – immerhin arbeitete seine Großmutter für das legendäre Motown-Label während seine Großtante die Jazzgröße Alice Coltrane war.

 

FlyLo selbst frickelt hingegen lieber Hip Hop-, Soul- und Electrobeats zusammen und tritt seit 2012 auch unter dem Namen Captain Murphy als Rapper auf. Wusste aber niemand bis zum Ende seines Release-Konzertes im Club Low End Theory, da er zuvor immer maskiert und mit gepitchter Stimme auftrat. Erste Erfolge konnte Flying Lotus, der als Steve Ellison in L. A. geboren wurde, mit seinem Debütalbum „1983“ feiern, auf dem er seiner Leidenschaft für Lo-Fi-Töne, Computerspiel-Soundtracks und lateinamerikanischen Bongos freien Lauf ließ. Karrieretechnisch ging es dann schnell voran, denn kurz danach konnte er sich beim englischen Label Warp Records neben Größen wie Jamie Lidell, Aphex Twin, Boards Of Canada und Nightmares On Wax einreihen.

 

 

Nachfolgeralben wie „Los Angeles“ und „Cosmogramma“, für das er auch eng mit Thom Yorke zusammenarbeitete, wurden grenzenlos gefeiert. Im Jahr 2012 erschien dann „Until The Quiet Comes“, welches wieder einmal die Musikpresse vom Hocker haute, als "ein echtes Meisterwerk" betitelt wurde und erneute Features mit Thom Yorke, Niki Randa und Erykah Badu beinhaltet, und Flying Lotus bleibt seinem musikalischen Stil weiterhin treu: Wie ein Traum spielen sich die 46 Minuten Albumlänge im Unterbewusstsein ab, die Songs sind zu sehr Vision und zu wenig greifbar. Zum Glück, denn immer wieder abdriftende hypnotische Soundskulpturen, die dann mit einem Paukenschlag in Form einer grollenden Basslinie oder verzerrten Soundlinie zurückkehren sind seine Bestimmung und machen den typischen Flying Lotus-Sound zu dem was er ist: Einmalig. 

 

Seit dem 06. Oktober steht sein neuestes Werk „You’re Dead“ in den Regalen gut sortierter Plattenläden, für das sich Künstler wie Kendrick Lamar, Snoop Dogg und Thundercat nicht zweimal bitten ließen, daran mitzuwirken. Ob es sich in der oberen Liga seiner Vorgänger einreihen darf, wird vermutlich die Zeit zeigen. Flying Lotus ist aber auf jeden Fall dort angekommen, wo nicht alle hinkommen, das ist schon mal Fakt – und wir reden hier nicht nur vom Radiosender aus Los Santos.

 

 

    AUTHOR:
    SANDRA OLYSLAGER

    Die verbale Inkontinenz.

    Mal angenommen, man müsste Sandra in einer Sendung wie „Ruck Zuck“ beschreiben, die Leute würden ihren Vordermann anticken und Sachen sagen wie „intellektuell exhibitionistisch und fuckin' emotional“, man würde sofort erraten wer hier gemeint ist. Seit bereits drei Jahren treibt sie sich im Internet als Bloggerin herum und hat es bisher nicht einen Tag bereut.