"WILL LOVE TEAR US APART?"

lari
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Krempel der Woche: Joy Division Videospiel.
© Will Love Tear Us Apart

Wir kennen und verabscheuen dieses Gefühl wohl alle: Liebeskummer. Nach einer gescheiterten zwischenmenschlichen Beziehung, fühlen wir uns so abgrundtief beschissen, dass man es eigentlich nicht mehr in Worte fassen kann. Wieder einmal werden zahllose Packungen Taschentücher vollgeheult- und gerotzt (genau wie die Ohren der besten Freundin) und man schaufelt literweise Eis in sich hinein, um die innere Leere irgendwie zu füllen. Letzteres klappt allerdings nie. Nach einer solchen Heul- und Fressorgie fühlt man sich höchstens dreckig, ekelig und fett und ist überzeugt davon, dass man wird nie wieder jemanden finden und alleine sterben wird. Forever alone und so. Dabei wird es nach der nächsten missglückten Beziehung wieder heißen: Same Shit different Guy. Ein Teufelskreis.

 

Doch wie passt das alles mit Videospielen und Joy Division zusammen? Na gut, Joy Division schrieben wahre Hymnen zum Thema Liebeskummer, aber Videospiele lassen die Endorphine doch eigentlich nur so strömen und die Neurotransmitter Zumba tanzen. Spiele-Macher Mighty Box Games war jedoch der Meinung, dass man sich auch mal der Entwicklung eines Spiels widmen könne, das einem die schlechten Tage seiner Beziehung vor Augen hält, sodass man - wenn man noch nicht von alleine auf diese grandiose Idee gekommen ist - eine Trennung in Erwägung und letztlich einen Schlussstrich zieht. Joy Divisions Anti-Liebeslied "Love Will Tear Us Apart" diente als Inspiration für das in düsterer Albrecht-Dürer-Holzschnitt-Optik designte Online-Game, welches laut Aussage des Entwicklers Gordon Calleja das Ziel hat, sich auch die dunklen Seiten der Liebe, wie fehlende Kommunikation, Stillstand, Ausweglosigkeit und Liebeskummer, ins Gedächtnis zu rufen. Trotz des minimalistischen Designs ist das Spiel in der Lage, genau das zu vermitteln. Oder gerade deswegen. Während des Spiels wird man in eine Beziehungskrise hineingesogen, die vor lauter Unverständnis von Liebe nur so strotzt und ebenso erdrückend wie metaphorisch wirkt.


 

Wer neugierig geworden ist, kann seine Beziehung gleich hier auf den Prüfstand stellen und das außergewöhnliche Spiel etwas genauer unter die Lupe nehmen. Um eins aber vorweg zu nehmen: Ein Happy End ist wohl nicht in Aussicht - jedenfalls nicht, wenn es nach Ian Curtis geht: "Why is it something so good just can't function no more? Love, love will tear us apart...again."

 

    AUTHOR:
    LARI BERLIN

    Torture the Artist.

    Schreiberei, Musik, Mode, (analoge) Fotografie, Literatur und Kunst sind die Protagonisten in Laris kunterbuntem Kosmos. Das Mädchen, mit dem in die Wiege gelegten Künstlernamen und einer Obsession für exzentrische Persönlichkeiten à la Ian Curtis oder William S. Burroughs, ist ein wahres Charakter Kid, das es liebt, sich selbst zu verwirklichen.