Where Do You Work: CUT Magazin

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Leute machen Kleider.
© CUT Magazin

Eines meiner liebsten Magazine auf diesem Planeten ist das CUT Magazin. Bereits die erste Ausgabe, die mir in einem kleinen Kiosk in der Schweiz in die Hände gefallen ist, steckte voller Liebe von der ersten bis zur letzten Seite. Wunderschöne Layouts, durchdachte Details und coole DIY Projekte. Seit diesem Tag habe ich jede Ausgabe gekauft und schon das ein oder andere DIY (mehr oder weniger erfolgreich) ausprobiert.

Nun wollten wir wissen, wer hinter diesem Magazin steckt und haben die Mädchen zu ihrem Arbeitsplatz befragt - Anke hat, als Chefredakteurin des Heftes, im Namen aller die Fragen beantwortet. Und ich muss sagen - so sieht Spaß aus. Hier würde ich am liebsten direkt für einen Job anheuern.

 

 

Name: Anke Eberhardt
Job: Chefredakteurin / Mode beim CUT Magazin – Leute machen Kleider
Wohnort: München
Kann nicht arbeiten ohne: Meine Kolleginnen Lucie und Marta aus der Artdirektion, damit die Frage "Was ist wichtiger? Text versus Grafik" auch immer schön ausgeglichen beantwortet wird.

 

Für den Lichttest macht Anke die Afrodite, fürs Cover gab's zum Glück ein richtiges Model. (Nichts für ungut, Frau Eberhardt.)


Ich bin CUT Fan der ersten Stunde. Habe das Magazin damals in einem kleinen Zürcher Kiosk gefunden und direkt mit nach Hause genommen. Erzählt uns doch ein paar Worte zu euer Entstehungsgeschichte.

Ich muss zugeben, dass ich selbst erst seit der fünften Ausgabe dabei bin, diese Woche kommt #10 in die Regale. Lob und Ehre gebühren also zunächst einmal Lucie Heselich. Sie ist Grafikdesignerin und hatte 2008 die Idee zu CUT. Sie hatte ein Faible für Do-It-Youself und war sich sicher, wenn sie als Endzwanziger Stadtmädchen Lust darauf hatte, Dinge selbst zu machen, hatten das andere auch. Damit war sie damals eine Vorreitern dessen, was heute allgemein als DIY-Trend gilt. Denn vor zehn Ausgaben CUT war auch der DIY-Trend noch kein Trend und jeder potenzielle Anzeigenkunde hatte nur gestickte Dackel und gehäkelte Kaffeekannenuntersetzer im Kopf. Handarbeit war altbacken. Aber Lucie hatte das Glück, dass sie, anstatt mit ihrer Idee von Verlag zu Verlag tingeln zu müssen, nur zwei Zimmer weiter ihre Investoren fand. Horst und Ilse Moser, die Inhaber von independent Medien-Design (einer Designagentur für Buch- und Zeitschriftengestaltung, bei der Lucie bis heute als Grafikerin arbeitet), glaubten an CUT und besaßen ebenfalls einen Verlag.

Gleich zu Beginn mit ihrer Kollegin Marta eine Verbündete gefunden zu haben, war für Lucie aber fast genauso wichtig. Marta war sofort von der CUT-Idee überzeugt und bereit, sich die Wochenenden mit Brainstormings und Testlayouts um die Ohren zu schlagen. Und, um den Zufall perfekt zu machen, war eine weitere Kollegin, Anja Kellner, ursprünglich als Bildredakteurin bei ebenjener Agentur angestellt und entpuppte sich als Modedesignabsolventin mit DIY-Faible, die CUT mit aufbaute. Ich wiederum darf mich heute nur deshalb Chefredakteurin schimpfen, weil ich zufällig mit Anja bei einem Wochenendausflug mit gemeinsamen Freunden zum Abwasch verdonnert wurde („Und was machst du so?“ „Ich schreibe. Du?“ „Magazin.“ „Ach.“) und den Posten nach Anjas Weggang übernommen habe. Alles also mehr als zufällig – und es passt umso besser! Schließlich ist ein nettes Team fast das Wichtigste im Job.

 

Von der Passion zum Beruf - Was hat sich seit der ersten Ausgabe für euch verändert?

Von außen betrachtet hat sich wahrscheinlich nicht sehr viel verändert. Wir arbeiten immer noch alle nur Teilzeit an CUT. Lucie und Marta haben ihre Jobs in der Agentur und ich arbeite als freie Journalistin noch für andere Magazine, Blogs und Zeitungen.

Im Vergleich zur Anfangszeit ist aber inzwischen alles zumindest ein wenig organisierter. Mich beeindruckt immer noch sehr, dass die Mädels vorher noch nie ein Magazin gemacht hatten, als sie CUT gestartet haben. CUT ist eben auch selbst ein DIY-Projekt. Inzwischen haben wir vor allem unsere eigenen Ansprüche nach oben geschraubt. Man lernt schließlich dazu, entwickelt sich auch, was das Design und den eigenen Geschmack anbelangt, weiter und diese Messlatte setzen wir auch beim Heft an. Am Ende ist es dann immer ein gutes Zeichen, wenn sich alle um die Dinge reißen, die in einer Ausgabe gezeigt wurden, denn wenn man sich eine XL-Patchworkdecke (wie in der aktuellen Ausgabe) auch daheim auf die Couch legen würde, sind die Sachen anscheinend wirklich gelungen.

 

Was im Heft so hochwertig aussieht, ist teils alles andere als highend: Anke führt auch mal Interviews auf Club-Toiletten.

 

Für die Präsentation von geknoteten Accessoires streift sich die gesamte Belegschaft auch mal Ganzkörperanzüge über.

 

Woher holt ihr eure Inspirationen für die nächste Ausgabe?

Zunächst darf man nicht vergessen, dass Inspiration sammeln zu unserem Job gehört. Wir sind ja nicht den Tag über Krankenschwestern, Verkäuferinnen oder Vorstandsvorsitzende und müssen dann plötzlich am Abend ein halbes Dutzend Ideen für selbstgemachte Partyaccessoires (ebenfalls in der aktuellen Ausgabe) aus dem Ärmel schütteln. Stattdessen gehört es für uns dazu, Blogs zu durchforsten, andere Magazine zu durchstöbern und einfach im Alltag die Augen offen zu halten. Wenn wir zum Beispiel auf Reisen etwas Schönes sehen, sei es eine Schaufensterdeko oder ein Mädchen auf der Straße, wird ein Foto gemacht und bei der nächsten Redaktionssitzung auf den Tisch gelegt. Meistens ist das dann aber erst der Anstoß zu einer Idee und am Ende kommt etwas völlig anderes dabei raus. Unser Ziel ist immer, nichts Naheliegendes, sondern etwas Unerwartetes zu machen. Also zum Beispiel beim aktuellen Thema „Kristalle selber züchten“ nicht einfach nur schicken Schmuck zu machen und den dann klassisch als Still-Life abzufotografieren, sondern auch so absurde Dinge wie Einmalbesteck einzukristallieren und dann ein „Crystal-Labor“ à la Breaking Bad fürs Shooting aufzubauen. Von der Idee bis zur Umsetzung kann das aber durchaus Monate dauern und vorher werden zig Vorschläge über den Haufen geworfen, bis man wirklich zufrieden ist.

 

Wie läuft ein Tag im Leben der CUT Redaktion ab?

Einen 0815-Tag gibt es bei uns nicht. Je nachdem, in welcher Phase der Produktion wir stecken, kann es sein, dass wir alle mit völlig anderen Projekten beschäftigt sind – oder von morgens bis spät abends ein CUT-Fotoshooting für die Step-by-Step-Anleitung zu unseren Schnittmusterbögen haben – oder ich bin gerade bei einem Designer unterwegs und mache ein Interview, während Lucie gerade eine Headline mit Wasserfarbe malt, einen Schriftzug mit Garn stickt (es ist ja schließlich alles handmade bei CUT) oder Marta gerade dabei ist, aus den letzten zehn Heften einen „Kuchen“ zu basteln, den wir für das aktuelle Editorialfoto serviert haben. Manchmal gibt es riesige Meetings mit unseren Freelancern, manchmal rennt einer von uns durch die halbe Stadt, um die perfekte Öse/Pappe/was auch immer für ein Teil im Heft zu finden und manchmal werkeln wir auch zu Hause, weil es sich im Büro einfach so schlecht batiken lässt. Das ist aber auch das Schöne: dadurch dass wir immer völlig unterschiedliche Themen haben, gleicht keine Heftproduktion der anderen.

 

 

Lucie beim Headline-Schnippeln.

 

Mit dem richtigen Licht kann man auch bei Helligkeit ein dunkles Lagerfeuer inszenieren und den "Happy Birthday"-Schriftzug abfackeln.

 

Wo arbeitet ihr am liebsten?

Für mich persönlich macht es die Abwechslung: Wenn ich Ruhe zum Schreiben brauche, ist es toll, als Freelancer auch einfach mal einen Tag daheim bleiben zu können und mit Jogginghose und Laptop auf den Knien auf der Couch zu tippen. Dann ist es aber auch schön, wieder ins Büro zu kommen, denn ohne den Austausch mit den anderen Mädels kommen einfach keine gute Ideen zustande. Wenn dann zwischendurch noch Ausflüge nach New York oder Kopenhagen anstehen, wie zum Beispiel für die letzten zwei Designerinterviews mit Collina Strada oder Samsøe und Samsøe ist die Mischung perfekt.

 

Was ist das besondere an eurem Arbeitsplatz? Gibt es Details, auf die ihr besonders Wert legt?

Entgegen einer allgemein verbreiteten Annahme haben wir kein riesiges Bastelzimmer in der Reaktion. Die CUT-Requisite ist immer über die halbe Agentur verteilt, es kann also durchaus mal sein, dass man als erstes einen Popcorn-Afro (vom aktuellen Cover) sieht, wenn man reinkommt. Es läuft alles ein bisschen chaotisch ab und die Regel sind eher Kleinigkeiten: Bei mir steht im Winter grundsätzlich eine riesige Kanne Tee auf dem Tisch, Lucie hat ein Geheimfach mit Süßkram, das nach dem Mittagessen geplündert wird und Marta könnte Miete verlangen, weil sie vom ganzen Büro immer um ihr iPhone-Ladekabel angeschnorrt wird.

 

Mit wem würdet ihr gerne einmal zusammenarbeiten?

Bei uns stehen meistens eher Themen als Persönlichkeiten auf der To-Do-Liste. Also eine Machart wie das Patchworken, Stricken oder Sticken, die wir in einem neuen Licht zeigen wollen. Am meisten freuen wir uns, wenn wir aus ganz absurden Dinge wie jetzt den Kristallen oder letztes Mal dem Betonieren eine schöne Geschichte machen. Aber die nächsten Ideen können wir natürlich nicht jetzt schon verraten!

 

Großes Bilderfleddern nach dem Shooting. (Ex-Praktikantin und Goldstück Nicole, Marta, Lucie und Anke)

 

Marta musste mal wieder als Handmodel herhalten. Zum Glück gab's Käffchen als Aufputschmittel.

 

Was können wir uns für 2014 erwarten?

2013 war bei uns sehr viel los: Website-Relaunch, die erste CUT-Aboprämie ever (unbedingt abonnieren allerseits, denn ab sofort gibt es einen schicken CUT-Rucksack dazu!), die Party zur 10. Ausgabe am 5. Dezember im Edmoses in München – danach müssen wir erst mal ordentlich Plätzchen futtern und über die Feiertage neue Ideen ausbrüten. Langfristig ist aber immer noch eine englische Ausgabe unser Traum!

 

Was motiviert euch?

Das sind meist ganz kleine Dinge, die dem Leser wahrscheinlich gar nicht auffallen. Zum Beispiel wenn sich ein Shooting besonders schwierig gestaltet: die Fotos der selbstgebauten Pinhole-Kamera wollen einfach nicht scharf werden und kurz vor der absoluten Verzweiflung klappt es dann doch. Oder wir schicken eine Wollzuckerwatte fürs Cover der Ausgabe #9 nach Brasilien zur Fotografin in den Urlaub und das Ding bleibt im Zoll hängen – wird wieder rausgegeben als Numero zwei schon auf dem Weg ist und am Ende entsteht das Coverfoto doch mit Wollwatte #3 auf dem Münchner Frühlingsfest, weil uns die erste Farbe doch nicht so gefallen hat. Oder in der aktuellen Ausgabe, als unsere Kollegin Heidi in stundenlanger Fisselarbeit aus unzähligen Isarsteinen einen Stadtplan von München gelegt hat, die Wahnsinnige! Und nicht zuletzt Einsendungen der Leser, mit Fotos von Dingen, die sie aus CUT selbst gemacht haben. Über solche Dinge freuen wir uns immer sehr und das macht Lust auf die nächsten Ausgabe.

 

Was waren eure Berufswünsche in der Grundschule?

Ich konnte mich nicht zwischen dem Besitz einer Ponyranch und Literaturnobelpreisträgerin entscheiden. CUT-Redakteurin und Teilzeitpferd sehe ich also durchaus als erfolgreiche Umsetzung an, ha! Marta wollte Tierärztin werden, hätte sich also hervorragend um mein Pferdchen kümmern können – dumm war nur, dass sie Angst vor Tieren hatte. Lucie wollte eigentlich in Richtung Ernährungsberaterin oder Sportmedizinerin gehen und hat dann überlegt, ein Café zu eröffnen. Ein Glück, dass ihre Pläne gescheitert und sie heute beide Grafikdesignerinnen sind, denn ich bekomme in InDesign keine zwei Pixel aneinander.

 

Belohnung nach dem Wollzuckerwatten-Covershoot von Ausgabe 9 (Das Covermodel klemmt noch unter Lucies Arm).

 

Feierabend!

 

Eure Geheimtipps für eine Nachtschicht? (Oder sagt bloß, ihr seid so gut organisiert, dass dies nicht passiert?!)

Inzwischen geht es tatsächlich nicht mehr ganz so wild zu vor einer Deadline, aber kurz vor Schluss lassen wir natürlich auch nicht um 18 Uhr den Stift fallen. Ich persönlich muss zugeben, dass ich während der Deadlinephase immer unglaublich zu futtern anfange. Während ich sonst versuche brav zu sein, gibt’s dann gerne Mal die Sachertorte zwischendurch – den Süßes ist ja bekanntlich Nervennahrung. Nur gut, dass nicht so oft Deadlines sind...

 

 

Die neuste Ausgabe von CUT ist seit letztem Freitag im Handel und kann dort gegen das passende Kleingeld erworben werden. So viel sei aber schon mal verraten - wir stellen das Heft in den nächsten Tagen noch etwas genauer vor und es gibt auch was Kleines zu gewinnen!


CUT – Leute machen Kleider #10, seit 6. Dezember 2013 im Handel!
Mode, Design und Do It Yourself auf 146 Seiten.
Verkaufsstellen, Online-Bestellformular und jede Menge DIY-Tipps gibt’s auf
www.cut-magazine.com (Übrigens auch seit Kurzem in neuem Design!)
 

    AUTHOR:
    MIKA

    8 out of 10 cats say she's funny as hell.

    So Kinder, das hier ist Mika (aka Lilly Rocket). Das Fräulein ist irgendwas über zwanzig, halbe Finnin und als sie klein war, wollte sie später Seeräuber werden. Aus den Abenteuern auf hoher See wurde leider nichts und so gilt ihre Liebe heute essenziell wichtigen Dingen wie Mode und Mädchenkram, Reisen und trashigen Analogfotografien, Burgern und Eiscreme, Luftballons und Seifenblasen.