Das Wort zum Sonntag #7

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merde.
Johanna Lamprecht

 „Also im Grunde genommen ist es doch  so, oder?  Eine Frau und ein Ofen sind ziemlich ähnlich zu handhaben. Du knetest ein bisschen dran rum, leckst sie und ab geht’s.“
Jan klemmt sich das Ding zwischen seine klebrigen Lippen und klopft seine Taschen nach Feuer ab. Ich gebe ihm meines. Er zündet an, nimmt einen tiefen Zug. Ohne auszublasen, redet er weiter: „ Ich meine, wie lange wart ihr zusammen? Drei Jahre? Okay, vier – Aber tut auch gar nichts zur Sache. Was hat es dir denn gebracht? Na, siehst du, (hier kotzt er mir eine süßliche Wolke ins Gesicht) nämlich gar nichts, Alter.“
Jan hat recht.  Hier sitze ich also wieder und starre auf ein Poster, das mich von Sasha Greys Affinität zum Existentialismus überzeugen möchte. Jan gibt mir den Joint weiter und sagt: „An Sasha Grey hat mich immer gestört, dass sie die Schwänze immer viel zu tief in den Mund nimmt. Ich meine, wer soll sich denn auf das ganze Herumgewürge und Geschlatze einen runterholen?“ Ich zucke mit den Schultern.  „Die war mir von Anfang an zu übereifrig“, sagt er.  „Heiraten würde ich sie trotzdem.“
     Irgendwann stehen wir unten an der Straße . Philip ruft an und erzählt etwas von einer Wohnungseinweihung in der Grenadiergasse. Auf dem Weg dorthin trinken wir Fantalustig und rauchen noch einen Dübel, der den Gesprächsstoff auf Einsilbiges runterschraubt. Das Wohnhaus sieht von außen aus, als würde es seit Jahren besetzt. „A.C.A.B“ schreit es neon von einer zugemauerten Fensterfront und daneben in einer anderen Farbe „All Cats Are Beautiful“. „Bei Stadler/Hauszer läuten“ hat Philip ins Telefon geschrien. Ich tue es. Es rülpst „Dritter Stock!“ aus der Türsprechanlage, gefolgt vom Bzzzzen der Eingangstür.
     Die Party ist ziemlich gut. Gin und Bier und alte Wu-Tang-Platten. Drei schöne Mädchen im Wohnzimmer und zwei am Balkon, die es nach drei Uhr werden. Aber ich bezweifle, dass mich überhaupt eine bemerkt hat, seit ich hier bin. Der Duft des Verlassenwordenseins klebt an mir wie Katzenpisse. Fast logisch, dass es bei Frauen nach einer Trennung genau umgekehrt abläuft. Patric hat mir erzählt, Hanna habe jetzt angeblich etwas mit einem Typen, den er aus einem Kurs kennt. Ein Deutscher. Ich glaube er heißt Micha. Oder Tom. Oder Joseph Goebbels – wen interessiert's. Ich hole mir ein Bier aus der Badewanne und suche Philip. Bis auf einen Typen, der im Badezimmer in seiner eigenen Kotze weiterfeiert, kenne ich niemanden hier. Jan versucht sich an das Mädchen am Balkon ranzumachen. Als ich abhauen will, höre ich Philips Stimme aus einem Zimmer, das ich übersehen zu haben schien. Der Raum ist nicht größer als ein Scheißhaus. Trotzdem drängen sich Philip und zwei Typen, die ich schon einmal irgendwo gesehen habe, wiehernd um einen Monitor und schreien woah und jabistu. Der Film, der läuft, zeigt eine Japanerin, die einem Typen eine Ladung Kakerlaken in den Rachen kotzt, die sie zuvor im Mixer püriert hat. Anscheinend hatte die Frau die ganze Zeit über einen Tintenfisch im Arsch. Philip stellt mich den zwei Typen vor. „Wartet, kennt ihr schon den einen, wo sich ein Typ in einen Glaskasten legt, auf dem ein Toilette installiert ist? Und dann kommt so eine wirklich heiße Braut daher und kackt den einfach voll, als wäre es die normalste Sache der Welt!“
      „Das mit Hanna ist ziemlich blöd gelaufen.“, sagt Philip auf einmal. „Ja, irgendwie schon.“, antworte ich. Der Typ im Glaskasten gurgelt irgendetwas vor sich hin.
„Und was jetzt?“
„Keine Ahnung.“
„Erst mal einen bauen.“, lacht er.
Er schüttelt ein kirschgroßes Stück Shit aus einer leeren Zigarettenschachtel.
“ Frisch importiert aus dem Schmuggler-Darm meines Vertrauens.“
Später sagt Philip: „ Aber es war klar, dass du jetzt wieder total durch den Wind bist, wo sie weg ist. Das war doch schon immer so bei dir. Wie oft hast du mir erzählt, dass es dich nicht mehr interessiert? Und wie war das damals bei Lydia? Du willst die Frauen immer nur dann, wenn du sie nicht mehr haben kannst. Das ist ein ernsthaftes Problem, Mann, ein ernsthaftes Problem.“
Irgendwann verlasse ich die Party und gehe nach Hause.

 

    AUTHOR:
    ANDI BINDER

    Repräsentativ war gestern. 

    Der Hahn im SM Korb versucht sich seit Jahren vergeblich in ein imposantes Licht zu rücken. Doch wozu überhaupt? Im Grunde ist es doch völlig nebensächlich, ob er gerne Fahrrad fährt, schwimmt oder aber Katzen gegen den Strich streichelt, denn das Schreiben beherrscht er. Ganz hervorragend sogar.