Sieben Sachen: iTunes Songs

Robert
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gossip
...die ich legal erworben habe & die mir einfach nur peinlich sein sollten.

Es gibt Dinge, die sind einem so peinlich, dass man alles tut, damit diese nicht ans Tageslicht gelangen. Nun, die meisten Menschen jedenfalls. Ich bin ja eher das Gegenteil. Sobald mir etwas peinliches passiert, bin ich der Erste, der einen Artikel darüber schreibt oder seinen Freunden davon erzählt. Wie das eine Mal, als ich beim Sex weinen musste (nicht, weil er so toll oder so mega mies war)... oder das andere Mal, als ich mitten am Karlsplatz auf die Schnauze gefallen bin... Oder dieses eine bestimmte Mal, als ich... nun, ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie es ist, mich zu kennen - ich habe quasi immer eine Story parat.

 

Nachdem ich mich letztens mit Lilly über Musik unterhalten habe und wir meine iPod Playlist durchgegangen sind, kamen Songs zum Vorschein, die ich eher nicht herzeigen sollte. In einem Anfall von Selbstverteidigung, Selbsterklärung und Rechtfertigung ist mir eingefallen, dass ich doch noch kein Thema für meine Sieben Sachen diese Woche habe und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen (Hach, das wollte ich immer schon einmal verwenden!): Ich schreibe über die sieben iTunes Songs, die ich legal erworben habe und die mir einfach nur peinlich sein sollten. And here we go:

 

eins. No Angels. There Must Be An Angel. Nun, there seriously must not ... ich weiß nicht, was mir eingefallen ist, aber letztens saß ich im Office neben Lilly und mir war nach "There Must Be An Angel" von den No Angels. Und ich musste mitwippen und mitschnippen und mitshaken und mich konnte nichts und niemand aufhalten. Nicht Mal die personifizierte Peinlichkeit selbst. Da da da da da da da daaa, daaa da, daaaa daa-aa... Ihren entgeisterten Blick könnt ihr euch sicherlich vorstellen.

 

zwei. Ell & Nikki. Runnin Scared (Radio Edit). Ich habe wirklich weder eine Erklärung, noch eine Rechtfertigung parat. Nach Jahren wieder mal den Grand Prix Eurovision de la Chanson gesehen (es war damals 2011) und schon dem Charme eines Pärchens verfallen, das beim besten Willen nicht singen kann, aber mich dennoch davon überzeugt hat, diesen scheiß Song zu kaufen. Shame on you, Robert, shame on you.

 

drei. Declan. The Last Unicorn. Wird hardly anybody von euch kennen. Den Typen meine ich. Den Song hoffentlich schon - der ist nämlich ein Stück Kultur! Das letzte Einhorn ist wohl einer der besten und von mir meist gesehenen Filme, die je erschaffen wurden. Der Nachbau des Originalsongs (btw. von einer Band namens America) ist einfach nur viel zu hoch, viel zu pitchy und sogar zu gay für mich.

 

vier. Diana Degarmo. Reaching for Heaven. Aus dem Disneyflim "Ice Princess." Ja, es ist tatsächlich wahr. Ich habe diesen Film nicht nur mehr als, sagen wir zehn Mal gesehen, nein, ich habe auch den Soundtrack gekauft und mir vorgestellt, ich wäre selbst eine Eisprinzessin. Mit schöneren und vor allem viel auffälligeren Kostümen, versteht sich. Der Song selbst ist ziemlich dramatisch (vor allem, wenn man die Szene dazu im Kopf hat) und regt heiter dazu an, sich vorzustellen, man wäre mitten auf dem Eis und muss alles geben, um zu gewinnen und seiner Mutter zu zeigen, dass man dazu geboren wurde, in kurzem Röckchen auf kaltem Untergrund herumzuschlittern, bis man auf die Fresse fliegt. Nur, um dann im richtigen Augenblick aufzustehen (wie Jesus) und die finalen Töne und Lyrics so perfekt durchzuchoreographieren, dass die Audience bebt und man selbst nicht mehr aufhören kann zu lächeln, weil man weiß, man hat es geschafft. Triumph, Bitches!

 

fünf. Enrique Iglesias. Hero. Schmalz auf höchster Stufe. Nachdem ich gestern kurz bei meinem Freund Rolf war, wir gemeinsam Tee tranken und uns über seine Wohnung unterhalten haben, spielte sein iPad all of a sudden diesen Song... er versuchte sich herauszureden und behauptete, er hätte keine Ahnung, wie dieses Lied in seine Playlist gelangen konnte. Ich habe angewidert die Augen verdreht. Little did he know, dass ich den Song selbst auf meinem Mac habe. Der Song widert mich wirklich an. Ehrlich. Ich schwöre!

 

sechs. Kalomoira. Secret Kombination. Noch ein Gem aus dem Repertoire des Eurovision Song Contests. Dieser Song ist leider wirklich einfach nur schlecht. Und ich habe dafür auch weder eine kluge, noch eine lustige Ausrede. Ich bin beschämt. Zutiefst.

 

sieben. Justin Bieber. Baby. Oh ja, es ist tatsächlich wahr. Ich behaupte immer, dass sich meine Schwester Romana in meinen iTunes Account gehackt und den Song und das Album gekauft hätte. Diese Lüge fliegt leider immer auf, sobald Menschen meine Schwester kennenlernen und sehen, dass sie nicht mal die Tastensperre aus ihrem iPad entfernen kann. In dem peinlichen Fall der Enttarnung schiebe ich es auf meine Mutter, die ohnehin niemand kennt. Und die wohl nicht mal weiß, wie man iTunes schreibt.

 

Ich gebe zu - ich habe sicher mehr als hundert iTunes Songs, die ich legal erworben habe und die mir mega peinlich sein sollten. Aber ich stehe zu ihnen. Take that, world! Im Übrigen höre ich während dem Schreiben dieser Kolumne "There Must Be An Angel" und singe so laut mit, wie es meine Kehle her gibt. Gott, meine Nachbarn müssen mich hassen. Da da da da da da da daaa, daaa da, daaaa daa-aa ...

 

XO - R

 

    AUTHOR:
    ROBERT RJ SCHERMANN

    Versteht nur Prada.

    Dies jedoch fließend, neben Burberry und VOGUE. Seine Texte entstehen immer in spontanen Situationen und zumeist auch bei Alkohol. Mode ist für ihn kein Wort, sondern ein Lifestyle, eine Entscheidung, die man lebt und atmet. In diesem Sinne gibt es für ihn, neben der Eroberung der Welt, vor allem ein Ziel – die Chefredaktion der amerikanischen VOGUE.