Outfit | Tomboy

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Die Rückkehr der Androgynität

Kennt ihr den Roman Tomboy von Thomas Meinecke? Wenn nicht möchte ich euch das kleine Büchlein an dieser Stelle unbedingt ans Herz legen, denn wie kein anderes verhandelt es die Frage nach Geschlecht und Gender in der Gegenwart samt all seiner Irrungen und Wirrungen auf herrlich ironisch-karikatureske Weise. Im Mittelpunkt des Ganzen steht die Frage, was ist das eigentlich Geschlecht? In wie weit beeinflusst uns die Trennung in Mann und Frau eigentlich von Grund auf und, selbst wenn wir es wollten, könnten wir es ändern? Auch in der Mode wird diese Frage immer wieder verhandelt. Als einer der ersten schickte seinerzeit der grandiose Yves Saint Laurent Models in Hosenanzügen auf den Laufsteg. 1967 fast schon ein Skandal. In den 80er Jahren dann der große Hype. Kastenfärmige Jacken mit Schulterpolster, bei denen die Devise meist lautete, je breiter desto besser, dazu weit geschnittene Hosen unter denen Weiblichkeit fast schon negiert wird. Und vor ein paar Wochen erst griff auch Vivienne Westwood bei ihrer Show auf der London Fashionweek das Motiv der selbstbewussten Frau wieder auf.

 

Auch in diesem Herbst kehrt der Tomboy-Style endlich wieder zurück. Wer also keine Lust darauf hat, dem aktuellen 50s/60s Retrotrend zu folgen und die eigenen Rundungen zu betonen, der greift getrost zu Hose, Hemd und Blazer das Ganze am besten alles in Oversize und/oder einer knalligen Farbe. Denn galt in den letzten Jahren, noch die Regel, dass eines der Teile mindestens die Figur betonen müsse, setzt die neue Silhouette ganz und gar auf Unförmigkeit. Weit auf Weit, das ist das neue Credo, dem sich Modefans und -magazine jetzt verschreiben. Und weil das Ganze so unglaublich lässig ausschaut, habe ich mich in Stockholm selbst daran versucht. Man nehme eine grau melierte Bundfaltenhose von Weekday, dazu ein schlichtes weißes T-Shirt von COS sowie den seit mehreren Saisons fest zum Liebslingsstück erklärten Oversize-Blazer von Zara und fertig ist ein Look, der angezogen wirkt, dabei aber urgemütlich ist. Das Ganze wurde inzwischen auch im heimischen Frankfurt das ein oder andere Mal ausgeführt.

 

 

Privat kombiniere ich dazu weiße Sneakers, da gerade die, dem Ganzen noch einen sportlichen Touch verleihen. Zur Fashion Week durfte es mit Plateaupumps dann aber doch etwas schicker werden. Außerdem strecken diese und verhindern gerade bei kleinen Personen, wie mir, dass der Look insgesamt zu gedrungen wird. Nur die tiefen Augenringe ließen sich nach vier Tagen Moderummel nicht mehr so wirklich verbergen, weshalb mir die ablenkende Schnute vergeben sei.

 

Zugegeben, es mag nicht jedermanns Geschmack sein, ganz auf weite Schnitte zu setzen und auch ich werde weiterhin gerne zur alt bewährten Skinnyjeans greifen. Trotzdem ist die neue Silhouette eine spannende Alternative, die allein aufgrund ihres Gemütlichkeitsfaktors einen Versuch allemal wert ist.  

 

 

 

 

 

Blazer - Zara (ähnlicher hier) | T-Shirt - COS | Bundfaltenhose - Weekday | Tasche - & other Stories | Uhr - Casio (via Urban Outfitters) | Plateaupumps - ASOS (ähnliche hier)

    AUTHOR:
    LAURA SODANO

    Lebe lieber ungewöhnlich.

    Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Was für die einen nach Schizophrenie par Exellence klingen mag, ist für sie selbstverständlich. Die Dame, die mindestens so gerne und schnell redet, wie sie denkt, sprudelt nur so vor kreativem Kopfchaos, von dem ihr Umfeld selten verschont bleibt. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit pointierter Artikulation ihre Waffe. Schokolade ihr Laster. Bei Mode und Literatur setzt ihr Verstand nur zu gerne aus.