Lookbook: Wood Wood SS15

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Class Of Now.

Die Fashion Week in Kopenhagen markiert jedes Jahr sicherlich eines der Highlights im Modekosmos der Fans des skandinavischen Designs und Ästhetikempfindens. So reduziert und clean viele Kollektionen daherkommen, so überladen und exzentrisch sind die Shows. Die Dänen haben kapiert, dass Mode nicht nur schnöde Hülle und Wirtschaftsmotor ist, sondern ebenso als künstlerische Ausdrucksform des menschlichen Individualismus verstanden werden muss, die sich in das System kultureller Artefakte einordnen lässt. Schön und gut, nur was war eigentlich mit Wood Wood? Das dänische Label verzichtete dieses Mal auf eine Präsentation, da die baldige Showroom- und Büroröffnung in London vorging. Allerdings flatterte kurz vor Beginn der Modewoche das Lookbook der Kollektion für Frühjahr/Sommer 2015 in den Maileingang und auch auf der dänischen Modemesse Gallery zeigte das Label mit dem großen Stand im Eingangsbereich die neuen Must-Haves.

 

„Must-Have“ mag abgedroschen klingen, doch wenn wir mal ehrlich sind, dann ist es doch ein ziemlich treffender Begriff für die Empfindung, die sich in meinem Kopf und Herz bei Sichtung der Lookbookbilder und noch viel dringlicher bei der Vor-Ort-Begutachtung der Kollektionsstücke abspielte. Zaghaft möchte ich in den Raum werfen, dass Wood Wood wahrscheinlich die beste Kollektion der diesjährigen dänischen Modewoche abgeliefert hat - wenn man mich nach meiner vollkommen subjektiven Meinung fragt, hat es das Designertrio ohne Zweifel. Jeder Style des Lookbooks kommt wie ein Ausrufezeichen, eine in den Boden gerammte Marmorsäule von solch einer Vehemenz und "Coolness", dass der Kollektionsname "Class Of Now" passender nicht hätte ausfallen können für diese Clique junger Erwachsener, die die Adoleszenz gerade hinter sich gelassen haben. Wir sind cooler, wir sind gereifter, wir haben zu uns gefunden. Und vor allem sind wir entspannter. Einstige Hierachien sind aufgelöst, aus dem uncoolen Außenseiter ist mehr geworden als aus dem Schwarm aller Mädchen und das sorgt beim Klassentreffen nicht nur für viel Raunen, sondern vor allem für viel ehrlich gemeinte Anerkennung. 

 

 

 

 

Auch die Kollektion von Wood Wood zeugt von Understatement und Lässigkeit. Silhouetten, die an klassische Schuluniformen erinnern, sind gepaart mit Statement-Accessoires wie transparenten Plastikshoppern, markanten Sonnenbrillen und der eleganten Variante von Trekkingsandalen und Lederschuhen mit weißem Plateau. Auch der Fischerhut bleibt uns erhalten, wobei der "NTBT"-Schriftzug das typische Label-W dieser Saison ablöst. Die Schnitte sind wenig figurbetont, dafür ausladend und edgy, und selbst taillierte Kleider sitzen nicht eng auf Taille, sondern umspielen sie nur. A- und H-Linien werden durch breit geschnittene Ärmel und Schultern beinahe zu Y-Linien und zu weiten Hosen trägt man ohnehin nur noch weite Oberteile.

 

Was sich direkt in unser Herz gespielt hat: Die neue Polo-Variante mit Reißverschluss. Die erinnert nicht nur an jedwede Ballsportart, sondern auch irgendwie an die Tennismanie der 90er Jahre. Die überall auftauchenden Streifen verhelfen den Entwürfen ebenfalls zu mehr Sportlichkeit und zusammen mit großflächigen Blumenprints, Karomustern und Logodrucken ist der Schulhoflook von heute perfekt. Einmal alles zum Eintüten, bitte! 

 

 

 

 

 

 

    AUTHOR:
    LOLA

    Modemädchen durch und durch.

    Minimal Chic und New Sports ist ihr Metier, über Normcore und andere Phänomene der Mode kann sie nickend Romane erzählen und trotz Totalausfall beim Anblick der neuesten Laufstegbilder und Lookbooks ist die Dame nicht auf das Köpfchen gefallen. Lola liebt Kopenhagen und Kafka, hat eine Schwäche für Männermode und Musikhits, ist aber auch für Kunst und Kitsch zu haben.