Labelwatch: Tim Labenda

sandra
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Fashion Hero ist nur der Anfang von etwas Großem.
Bild © SDBI

Man stellt sich bei Castingshows im deutschen Fernsehen natürlich immer die Frage, ob die Menschen sich gezielt ihre Karriere verbauen möchten weil der Stempel "Castingshow" doch ziemlich wasserfest ist, oder ob es eine Chance für all diejenigen ist, die ihr Produkt und Können an die große Menge bringen möchten. Die neue Show von Claudia Schiffer mit dem vielversprechendem Titel "Fashion Hero" kümmert sich um Menschen, die normalerweise hinter der Kamera und vor allem ihren Kollektionen stehen. Da die Einschaltquoten trotz dieses vielversprechenden Konzeptes nicht so gut gewesen sein sollen, wurde die Show nun auf den Sendeplatz um 22.15 Uhr verschoben. Nichtsdestotrotz ist unter all diesen Kandidaten, die jeden Mittwoch auf Pro Sieben um den Einzug in die nächste Runde bangen müssen, unser Favorit der ersten Stunde namens  Tim Labenda, der jede Woche sein Können zum Besten gibt und mit Leichtigkeit seine Mitstreiter in Grund und Boden näht und designed. Aber schon lange vor dieser Show konnte er erste Erfolge verbuchen und hat sein Handwerk von den ganz Großen höchstpersönlich gelernt. Im Klartext: er weiß also, was er da tut und setzt seine Arbeit mit großer Professionalität um. Und weil wir uns sicher sind, dass dieses Interview, welches ich mit ihm geführt habe, irgendwann Gold wert sein wird, haben wir ihn uns geschnappt um ihn ein bisschen was zu seiner Arbeit und seinen Zukunftsplänen zu fragen. 

 

 

Nun scheiden sich ja die Geister bei Castingshows, es kann ein Fluch aber auch ein Segen zugleich sein. Was hat dich letztendlich dazu bewegt bei „Fashion Hero“ mitzumachen und was ist deine Sicht der Dinge zu diesem Thema?

 

Tim: Der ausschlaggebende Punkt um mitzumachen war für mich, dass ich gutes Design für eine breitere Zielgruppe über einen günstigen Preis anbieten kann. Das kann ich leider im "realen" Leben nicht, da unsere Produktions-, Stoff-, und die ganzen anderen Kosten diese Preise nicht zulassen. Ein Teil von mir kostet im Schnitt das dreifache von den Fashion Hero Teilen, die nun im Laden hängen. Dazu kommt, das ich die Sendung auch ein Stück weit als Mode-Erziehungsauftrag für Deutschland sehe und es gut finde den Prozess etwas transparent für die Kunden zu gestalten. Ich finde es toll, dass man bei der Entstehung mitfiebern kann und das Teil dann direkt im Laden erwerben kann. Am Anfang war ich natürlich auch skeptisch, aber das Format und das Konzept der Sendung haben mich schließlich überzeugt.

 

Nun hast du dir mit deiner „Muse“ Dimitrij Vysokolyan ein begehrtes Model ans Land gezogen, welches bereits für große Labels wie beispielsweise Vivienne Westwood, Dior Homme oder Jil Sander gearbeitet hat. Wie habt ihr euch kennengelernt und was verbindet euch?

 

Tim: Dimi ist ein super Typ, wir haben uns schon vor längerer Zeit in Paris kennen gelernt, als er zum Casting bei uns war. Als wir uns dann unerwartet in München wieder gesehen haben, war die Freunde natürlich groß! Uns verbindet, dass wir beide auf unser Gefühl hören und zu zuerst immer an das Gute im Menschen glauben.

 

Wie sieht denn für gewöhnlich so ein normaler Arbeitstag als Modedesigner aus? Gibt es in dieser Branche überhaupt so etwas wie ein Alltag oder gleicht kein Tag dem anderen?

 

Tim: Hmm, Alltag ist glaube ich ein sehr schwieriges Wort für meine Arbeitstage. Also ich freue mich, wenn ich am Tag einfach mal das machen kann was ich mich vorgenommen habe. Aber meistens kommt dann immer noch was unerwartet dazu, es verändern sich Dinge, man muss ziemlich flexibel sein und da die ganze Branche ja von Unverbindlichkeit geprägt ist, sollte man auch immer damit rechnen das etwas so wie geplant, doch nicht stattfindet. Davon mal abgesehen hängt es auch immer davon ab, in welchem Bereich der Kollektionsentwicklung man sich gerade befindet. Am Anfang steht der Research im Vordergund, dann geht’s über zu der Stoffauswahl, dann Zeichnen, dann Schnitt... Die To-Do Liste verändert sich also kontinuierlich.

 

Um ein bekannter Designer zu werden braucht man vermutlich viel Geduld und viele Kontakte in der Branche. Kannst du uns etwas zu deinem Werdegang erzählen?

 

Tim: HAHA! Du sagst es! Geduld und Kontakte und vor allem eine gute Portion Selbstbewusstsein. Ich hab ganz normal Abitur gemacht, dann eine Ausbildung zum Schneider bei Hugo Boss in Metzingen, wo ich noch ein Trainee zum Modellmacher dran gehangen hab. Danach bin ich dann für ein Studium nach Pforzheim gegangen und habe aber die meiste Zeit im Ausland verbracht. Textildesign Semester in Halifax in Canada, Praktikum bei Kenneth Cole New York, Praktikum bei Ute Ploier in Wien und Paris...Naja und bei Ute hab ich dann ja schon während dem Studium als Design Assistent angefangen zu arbeiten. Irgendwann kam dann aber einfach der Punkt wo ich einfach mein eigenes Ding machen wollte und bin aus diesem Grund dann zurück nach Deutschland und hab mich 2012 selbstständig gemacht.

 

Was war das bisherige Highlight deiner Karriere?

 

Tim: Ui, das ist einfach! Die Einladung von Christiane Arp im Vogue Salon während der Berlin Fashion Week im Sommer 13 meine erste Womenswear Collection vorstellen zu dürfen.

 

 

Du hast dich zuerst allein auf Männermode konzentriert, widmest dich aber nun auch der Frauenmode. Wie kam es dazu und wo sind hier die großen Unterschiede, auf die man achten muss?

 

Tim: Naja, die Frauen kamen ja in erster Linie durch die Einladung in den Vogue Salon. Aber ich muss sagen, dass die Mädels Design auch mehr verstehen und eher bereit sind, dafür Geld auszugeben. Die Jungs sind zwar dankbarer für gute Teile aber es scheitert dann doch irgendwie am Preis. Und da ich ja davon leben will, habe ich mich entschieden dann doch zusätzlich für die Frauen zu designen. Einen Unterschied sehe ich nicht direkt. Außer das ich die Sachen nicht selbst anziehen kann, haha. 

 

Wo siehst du dich denn in ein paar Jahren? Kannst du dich mit Berlin als unsere „(Mode)hauptstadt“ identifizieren oder siehst du dich eher in einer anderen Modemetropole außerhalb Deutschlands?

 

Tim: Ich muss gestehen, dass ich mich mit Berlin nicht wirklich identifizieren kann. Der Vogue Salon ist toll und für mich die Veranstaltung mit dem höchsten Niveau während der Fashion Week. Trotzdem werde ich aber auch im Januar in Berlin präsentieren, da es einfach für den Anfang der richtige Weg ist in meinen Augen. Auf lange Sicht gesehen sehe ich mich mit meiner Arbeit aber eher in Paris oder London.

 

Wie würdest du deinen persönlichen Stil beschreiben und welche Mode-Fehltritte hast du dir bisher erlaubt, wenn du an deine Vergangenheit denkst?

 

Tim: Der Stil ist clean, sharp, sophisticated. Man ist unkompliziert und mühelos angezogen und die Teile stehen alle sowohl für sich als auch für den Look. Ich mag wenn die Frau ein paar maskuline Elemente in ihrer Kleidung hat, und besonders gut sitzende Schultern sind mir wichtig. Und modische Fehltritte liegen ja immer im Auge des Betrachters. Ich glaube ja auch nicht an Trends... Solange also jemand verkörpert, was er da trägt passt das schon.  ABER ich hatte mal ne rote Röhre, das würde ich persönlich nicht noch mal machen, haha!

 

 

Wie erklärt man seinen Eltern oder sein Umfeld, dass man Modedesigner werden möchte? Wurdest du sofort unterstützt oder hat man dir stattdessen erstmal geraten, „etwas solides“ zu lernen?

 

Tim: Na klar! Eltern sind ja in der Regel Sicherheitsdenker. Deswegen habe auch ich erstmal was solides gemacht, nämlich die Ausbildung. Aber ich wurde die ganze Zeit bei allem immer unterstützt und meine Eltern sind super stolz auf mich. 

 

Was steht denn bei dir als nächstes an? Lässt sich der Medienrummel durch Fashion Hero noch bewältigen oder ist bereits alles in Chaos ausgebrochen?

 

Tim: Fashion Hero ist die eine Sache, aber die neue Kollektion steht natürlich im Mittelpunkt. Wir arbeiten gerade auf Hochtouren an Schnitt, Form und Farbe. Und ich kann nur sagen das ich davon ausgehe, dass es eine wunderschöne Sache wird.

 

Was genau fasziniert dich an Mode und wo lässt du dich für neue Ideen inspirieren?

 

Tim: Mode ist Emotion. Mode kann Bedürfnisse stillen. Deswegen lass ich mich eigentlich immer von meiner Umgebung inspirieren. Was deren Wünsche sind, wonach es ihnen lustet...

 

Und zum Schluss noch ein kleines Entweder-Oder-Spiel:

 

- Kaffee oder Tee?

Kaffee

- Rot- oder Weißwein?

Weißwein

- CD oder Vinyl?

iPod
- Hund oder Katze?

Hund

- Club oder Bar?  

Bar

- Geld oder Liebe?

Liebe

 

Vielen lieben Dank Tim!

 

Tim Labenda Lookbook A/W 13 

"Nachtwandler" 

Das gesamte Lookbook könnt ihr euch hier ansehen. 

    AUTHOR:
    SANDRA OLYSLAGER

    Die verbale Inkontinenz.

    Mal angenommen, man müsste Sandra in einer Sendung wie „Ruck Zuck“ beschreiben, die Leute würden ihren Vordermann anticken und Sachen sagen wie „intellektuell exhibitionistisch und fuckin' emotional“, man würde sofort erraten wer hier gemeint ist. Seit bereits drei Jahren treibt sie sich im Internet als Bloggerin herum und hat es bisher nicht einen Tag bereut.