Krempel der Woche: Was soll nur aus uns werden?

sandra
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Oder auch: Ein ganz normaler Dienstag.
Image © Laurence/Jollow

Es ist ein ganz normaler Dienstag. Ein Tag von dem nicht viel zu erwarten ist, der einfach nur an einem vorbeizieht, der Alltag ist dominiert von Berufsalltag und ein paar Stunden danach, die man sich mit einem Lieblingsmenschen vertreibt oder auch einfach nur mit einer Tüte Chips und einem qualitativ grenzwertigem Fernsehprogramm. Im Prinzip klingt das doch alles grundsolide, es geht wohl den meisten Menschen so, dass ein ganz normaler Dienstag keine großen Überraschungen bereithält. In regelmäßigen Abständen scrolle ich durch meine Instagram-Timeline, ein Ritual, welches sich im Durchschnitt stündlich wiederholt. Ich sehe Mädchen mit nackten Beinen in Betten liegen, die gerade perfekt kleingeschnittenes Obst essen, andere wiederum sonnen sich gerade irgendwo in der Toskana. Zwischendurch ein Katzenbaby. Ich hingegen stehe gerade vor dem Büro eine Zigarette rauchend, eingepackt im Parka und Schal, mir ist kalt und auf mich wartet eine Menge Arbeit.


Aber im Prinzip ist alles in meinem Leben perfekt. Ich verfüge über ein festes Einkommen und habe die gefühlt besten Freunde der Welt. Aber es ist ja nicht so, als hätte ich noch nie darüber nachgedacht einfach irgendwo in einer größeren Stadt am anderen Ende Deutschlands komplett neu zu beginnen. Einmal wäre ich sogar kurz nach Hamburg gezogen. Wie wäre mein Leben wohl dort verlaufen? Vermutlich wäre in dieser Zeit gerade mein unter- oder unbezahltes Jahrespraktikum in einer coolen Agentur zu Ende und wüsste nicht, was ich als nächstes tun könnte. Aber vielleicht wäre auch alles gut gelaufen und ich würde gerade meinen unbefristeten Vertrag unterschreiben. Es liegt wohl bei den meisten in der Natur, sich niemals mit dem zufrieden zu geben, was man gerade hat. Und was man nicht weiß, macht einen heiß, denn man möchte ausprobieren, man möchte hinterfragen was aus einem geworden wäre, wenn man damals nach der vermeintlich helfenden Hand gegriffen hätte.

 

Image © Charlotte Clara


Aber dann wiederum, dann frage ich mich, was genau eigentlich gerade mein Problem ist. Vielleicht liegt das Problem eher bei den anderen, weil sie mit allen Mitteln versuchen, aus einem ganz normalen Dienstag einen berauschenden Samstag zu machen ohne dabei auch nur ein Pickel im Gesicht zu haben und von Augenringen auch noch nie was gehört haben oder ist es einfach nur mein Problem, dass ich mich nicht mit dem grundsoliden Leben zufrieden geben will, was ich gerade habe. Immer höher, schneller und weiter sein zu wollen als die anderen ist vielleicht nicht die beste Idee, die ich in meinem bisherigen Leben hatte. Vielleicht sollte man einfach mal wieder lernen Momente zu genießen, sich nicht von anderen beeinflussen lassen und einfach nur das schätzen zu lernen, was man bereits alles erreicht hat. Was einem auch an einem stinknormalen Dienstag so vor die Füße fällt und vor der Nase herumtanzt. Und dafür muss man ja auch gar kein hipper Kommunikationsdesign-Student sein oder im coolsten Viertel der Großstadt wohnen und den ganzen Tag im Café mit Fräulein Chai Latte und Herrn Tablet verbringen.

 

Im Prinzip stecken wir doch alle in der Generation Y (Die Welt veröffentlichte dazu vor kurzem einen sehr lesenswerten Artikel) fest und sind von den gleichen Problemen geplagt. Vielleicht sollten wir alle wieder mehr wir selbst sein, ohne zu versuchen unser Obst genauso toll kleinzuschneiden oder anzuordnen und vielleicht einfach mal in den sauren Apfel beißen, denn das müssen wir doch irgendwie alle zwischendurch, ohne gleich das ganze Leben in Frage zu stellen. Und jetzt gehe ich wieder rein und freue mich meine Arbeit erledigen zu können, mir von meinem Geld nachher etwas tolles zu essen kaufen zu können und danach meinen Liebsten bei Mario Kart an die Wand zu fahren, oh ja.

    AUTHOR:
    SANDRA OLYSLAGER

    Die verbale Inkontinenz.

    Mal angenommen, man müsste Sandra in einer Sendung wie „Ruck Zuck“ beschreiben, die Leute würden ihren Vordermann anticken und Sachen sagen wie „intellektuell exhibitionistisch und fuckin' emotional“, man würde sofort erraten wer hier gemeint ist. Seit bereits drei Jahren treibt sie sich im Internet als Bloggerin herum und hat es bisher nicht einen Tag bereut.