Krempel der Woche: Die Promis und ihre Nacktbilder

laura
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Die Krux mit den sexuellen Reizen
Francisco de Goya - La maja desnuda (Ölgemälde 1800) – Museo del Prado)

Anfang dieser Woche ging ein Aufschrei durch Hollywood. Motivierte Hacker haben haufenweise Nacktfotos von unzähligen Promidamen aus deren virtueller Clouds geklaut und verbreiten diese nun fröhlich-munter im Netz. Wer nun will, kann also relativ leicht erfahren, wie Jennifer Lawrence, Kirsten Dunst oder Avril Lavigne unter ihren oft so schmucken Roben aussehen. Gut, bei diversen Damen, wie etwa Rihanna, Paris Hilton und Co. hat dazu ja ohnehin nicht mehr viel gefehlt. Weder Swarovskisteine noch das grünliche Licht einer Nachtsichtkamera eignen sich wirklich adäquat dazu, den Körper zu verhüllen. Und so mancher stellt sich wahrscheinlich auch die Frage stellen, in wie weit das Ganze noch als spannend und tatsächlich skandalös zu verbuchen ist, wenn ja ohnehin Sex und nackte Haut so verkaufsfördernd in der Medienlandschaft eingesetzt werden. Doch in dieser Angelegenheit geht es um etwas anderes, etwas viel grundlegenderes. Es geht nämlich schlicht und ergreifend um die Tatsache, dass ein Haufen Idioten, mit offensichtlich zu wenig Interesse am eigenen Leben oder einem übermäßigen Hang zu Geld, die intimste Privatsphäre von Frauen des öffentlichen Lebens verletzt haben.


Woher der Reiz dieses Handelns resultiert, muss wahrscheinlich nicht mehr groß erklärt werden. In Zeiten, in denen Paparazzi zum Schatten so mancher Promis werden, Künstler deren Müll durchwühlen und Teenager sowie andere findige Gauner in deren Wohnungen, etc. einbrechen, um sich deren Hab und Gut anzueignen, scheint die Sehnsucht „alles“ von seinem Star zu sehen – zu besitzen – längst eine völlig logische. Bleibt allerdings die Frage, warum all diese Damen – und das waren laut einer veröffentlichten Liste nicht gerade wenige – sich im Evakostüm ablichteten und wieso zum Teufel sie all die brisanten Fotos auch noch ausgerechnet auf dem Smartphone, der Datenschleuder des 21. Jahrhunderts speicherten. Spätestens seit den Enthüllungen Edward Snowdens wissen wir doch, dass kein Geheimnis im virtuellen Speicher sicher ist und auch frühere Diebstäle von Fotos und Filmchen anderer Kolleginnen, wie Scarlett Johansson oder Christina Aguilera, sollten doch spätestens zur Vorsicht mahnen. Aber sind wir einmal ehrlich, der Mensch ist ein relativ unbelehrbares Wesen und die bösen Dinge, passieren ohnehin nur den anderen. Außerdem ist sexuelle Freizügigkeit etwas durchaus begehrenswertes. DAS bekommen Frauen in großem Maße schon mit in die Puppenwiege oder spätestens ins Barbietraumhaus gelegt. Die ZEIT titelte passenderweise erst in ihrer letzten Ausgabe „Außen Porno, innen prüde“. Der Leitartikel definierte die offenkundige Darstellung von zumeist weiblicher Sexualität als eine inzwischen meist nur noch auf die visuelle wie sprachliche Ebene beschränkte, der tatsächliche Sex zwischen zwei Individuen versinke dahinter zunehmend. Und auch zahlreiche jüngere Feministinnen stützen diese These. Laurie Penny, Natasha Walter, Ariel Levy, Angela McRobbie oder Nina Power zeigen allesamt auf, dass Frau heutzutage stärker denn je im Zugzwang stehen, ihren Körper, schlank und perfekt modelliert, offenherzig zu präsentieren. Nur wer Reize zeigt, gilt als interessant, nur dadurch wird das Objekt absurderweise zum Subjekt. Versteckt wird das Ganze hinter dem Deckmantel vermeintlicher Emanzipation.

 

Ist es also reine Naivität gewesen, die all die Promidamen und mit Sicherheit mindestens noch mehr andere Frauen dazu gebracht hat, sich lasziv auf dem Sofa zu räkeln und die heißen Fotos evtl. per Whatsapp, SMS und Co. an den derzeitigen Freund, Mann oder Lover zu schicken?

Meine Meinung zu dazu: Mit Sicherheit nicht! Natürlich ist es tatsächlich nicht allzu klug, das gesammelte Material wochen- oder monatelang als kleine Trophäe des eigenen Sexappeals auf dem Mobiltelefon mit sich herumzuschleppen. Doch solange unsere Gesellschaft den weiblichen Körper als einen vornehmlich sexuell aufgeladenen betrachtet, bei dem Charisma der Körbchengröße entspricht und hinter dem Intellekt, Liebenswürdigkeit und Co. eher zweitrangig sind, so lange wird es leider immer wieder passieren, dass Dritte glauben, sich mit dieser Form des Diebstahls zu bereichern. Es ist am Ende einfach die tief-absurde Seite unseres sozialen Systems, dass wir sowohl die emsige Geschäftsfrau zum Sexobjekt stilisieren, wie auch das Schulmädchen oder die noch jenseits der 40 um ihren Körper bemühte Mutter.


Aus diesem Grund finde ich es richtig und wichtig, dass u.a. Jennifer Lawrence so offen gegenüber der Öffentlichkeit mit diesem Thema umgeht, sich dazu äußert und auch rechtliche Schritte eingeleitet hat – inzwischen sucht wohl das FBI nach den Hackern. Und so schließe ich mich last but not least der wunderbaren Lena Dunham an, die mit ihrem Twitterpost alles festgehalten, was es zu diesem Thema noch zu sagen gäbe:

 

    AUTHOR:
    LAURA SODANO

    Lebe lieber ungewöhnlich.

    Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Was für die einen nach Schizophrenie par Exellence klingen mag, ist für sie selbstverständlich. Die Dame, die mindestens so gerne und schnell redet, wie sie denkt, sprudelt nur so vor kreativem Kopfchaos, von dem ihr Umfeld selten verschont bleibt. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit pointierter Artikulation ihre Waffe. Schokolade ihr Laster. Bei Mode und Literatur setzt ihr Verstand nur zu gerne aus.