KREMPEL DER WOCHE: HALLOWEEN

lari
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gossip
Grusel, Grauen, Gänsehaut.
© 1 Funny

Nachdem sich unsere liebe Lilly gestern schon ordentlich über Halloween ausgekotzt hat, führe ich ihre Schimpf- und Hasstiraden in unserem heutigen Krempel der Woche nur bedingt fort, denn ich kann diesem gewöhnungsbedürftigen "Feiertag" durchaus auch etwas Positives abgewinnen. Apropos kotzen: Kennt ihr das Kostüm Anna Rexia schon? Nein? (Klick!) Ich bin mir nicht sicher, ob es sich lohnt, viele Worte darüber zu verlieren. Dass das Kostüm ziemlich geschmacklos ist, dürfte eigentlich schon allein der Name erahnen lassen. Auch wenn ich oft sarkastisch bin und gerne mal unpassende bis dumme Sprüche zu irgendwelchen Thematiken und Problematiken veräußere, sind wir mit diesem Kostüm ziemlich nah an meiner Toleranzgrenze angelangt. Magersucht ist, ebenso wie Depression, keine Mode (was vielen Anhängern der Emoszene nie bewusst war), sondern eine ernstzunehmende Krankheit, aus der man sich weder einen Spaß machen noch Profit schlagen sollte.

 

Die Amerikanisierung vollzieht sich schon seit geraumer Zeit auch hier bei uns. Popkultur, Hollywood, Basketball, Anglizismen, Fastfood und das daraus resultierende Übergewicht. Und sogar die Feiertage übernehmen wir aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das beste Beispiel dafür ist eben Halloween. Kürbisse, Kostüme und Kuriositäten oder aber: Die totale Kommerzialisierung eines jahrhundertalten Brauchs. Kommerzialisierung hin oder her - ich denke keiner von uns kann sich komplett davon freisprechen. Ist es nicht auch so, dass uns in der Weihnachtszeit plötzlich unbändige Lust auf Lebkuchen, Zimtsterne und Spekulatius überkommt und wir all diese Kalorienkolosse in uns reinstopfen, während wir den Rest des Jahres keinen Gedanken daran verschwenden? Ja. Und ist es nicht auch so, dass wir zumindest den engsten Freunden und Verwandten (oder wahlweise auch den allerliebsten) eine Kleinigkeit unter den Weihnachtsbaum oder die mit Lametta verzierte Yuccapalme legen? Ja.

Ich hege bereits seit Jahren eine tiefste Abneigung gegen Karneval inklusive all seiner Jecken und das mit absoluter Berechtigung. Aber Halloween mag ich irgendwie. Wandelnder Widerspruch? Vielleicht. Für mich spielt aber die Horror-Komponente Halloweens eine tragende Rolle. Seitdem ich im zarten Alter von 13 Jahren während der Halloween-Zeit mit Freundinnen im Movie Park war, hat mich dieses Fest in seinen Bann gezogen. Freddy Krueger rannte mit einer Kettensäge hinter uns her und wir haben uns die Seele aus dem Leib geschrien. All das hat viel mehr Adrenalin in mir freigesetzt als jede Achterbahn zuvor. Vor allem haben mich aber die Kostüme der Statisten begeistert. Ganz vorne mit dabei waren die Zombies. Ja, ich mag die Untoten einfach. Ich hätte selber gerne einen wie im Film "Fido - gute Tote sind schwer zu finden". Es muss im selben Jahr gewesen sein, als ich nachts auf MTV das Video zu Scream von den Misfits sah. Spätestens da war es wirklich um mich geschehen. Dieses Video verstärkte nicht nur meine Zuneigung zu Zombies, sondern entfachte auch meine Liebe zum Horrorpunk. Misfits, Blitzkid, The Other, Bloodsucking Zombies From Outer Space, Danzig oder Crimson Ghosts liefen fortan bei mir in Dauerschleife.

 

Mittlerweile sind zehn Jahre ins Land gezogen und ich habe Halloween kein einziges Mal richtig gefeiert. Also gefeiert habe ich schon. Aber jedes Mal ohne Kostüm. Weil sich irgendwie nie wirklich die Gelegenheit ergab. Aber dieses Jahr wird alles anders: Nachthemd, Kunstblut, Zahn-Schwarz und Augenringe (sowieso immer) stehen bereit und Emily Rose kann künftig einpacken. Leider habe ich es bisher noch nicht geschafft meinen Kopf um 360 Grad zu drehen. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Oder so.


Um eure Vorfreude aufs morgige Halloween ins Unendliche steigen zu lassen oder euch überhaupt erstmal dafür zu begeistern, gibt es hier jetzt das Video der Misfits, das mich damals zum absoluten Horror(punk)-Fan hat mutieren lassen. "I can't wait to hear you SCREAM!".


 

    AUTHOR:
    LARI BERLIN

    Torture the Artist.

    Schreiberei, Musik, Mode, (analoge) Fotografie, Literatur und Kunst sind die Protagonisten in Laris kunterbuntem Kosmos. Das Mädchen, mit dem in die Wiege gelegten Künstlernamen und einer Obsession für exzentrische Persönlichkeiten à la Ian Curtis oder William S. Burroughs, ist ein wahres Charakter Kid, das es liebt, sich selbst zu verwirklichen.