KREMPEL DER WOCHE: FASHION WEAK

lari
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Modewoche vs. Karneval.
© Tokyo Fashion

Erstmal vorweg: Mir war es aufgrund von wichtigeren Dingen im Leben (irgendwann muss man ja mal damit anfangen Prioritäten zu setzen) nicht möglich, die vergangene Fashion Week zu besuchen. Ich hoffe jedoch sehr, dass ich mich zumindest im Sommer wieder unter das bunte Fashion-Volk mischen kann. Ich plädiere dafür, dass sich die Universität und Mercedes Benz in Zukunft etwas besser absprechen sollten. Zum einen mag ich mir das Spektakel allein wegen einer SM-Reunion nicht entgehen lassen und zum anderen bekommt man da einfach Dinge zu Gesicht, die einem sonst nirgends geboten werden. Ganz zu schweigen von den Free Drinks und Häppchen. Auch wenn die Herrschaften mit Letzeren wirklich knauserig geworden sind. Aber vielleicht war die Versuchung für die Models und co. einfach zu groß bzw. ihr Futterneid.

 

Die letzten Male stellte sich mir eine Frage des Öfteren: Berlin Fashion Week oder Kölner Karneval? Ähnlich wie im Dschungelcamp tun sich da teils echt Abgründe auf, von denen niemand zu träumen vermag. Ich erinnere mich nur zu gut an die beiden Boys in ihren in überwiegend schwarz gehaltenen Outfits mit Lack- und Lederdetails, was ja noch nicht ganz so wild ist. Aber als sie dann im Zelt ihre Sneaker gegen die übelsten High Heels eintauschten und damit wie zwei gerade geworfene Fohlen (also auf verdammt wackeligen Beinen) umherflanierten, in der Hoffnung von irgendeinem Streetstyle-Fotografen abgelichtet zu werden, trat mich das Muttertier. Mich beschleicht generell sehr häufig das Gefühl, dass sich Leute nur so auffällig kleiden, um eben für den Streetstyle-Blog YX oder das Magazin XY  fotografiert zu werden. Das ist nicht nur vollkommen unauthentisch, sondern auch total lächerlich. Ja, na gut, vielleicht sollte man den Dorfkids (die bereits immer früher und in größeren Scharen in die Hauptstadt ziehen) 2 x im Jahr einfach ihren Spaß gönnen, aber dann muss sich auch niemand wundern, dass die Fashion Week in Berlin im Vergleich zu anderen von Mercedes Benz initiierten Modewochen mit Abstand den schlechtesten Ruf hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nichts mit unserem Design-Nachwuchs zu zun hat. Exzentrisch kleiden kann sich wirklich jeder. Das ist keine Kunst. Techno-Hörnchen hier, ein Paar Buffalos da, Strapse, zerrissene Nylons, ein kurzer Rock und dazu ein verrücktes T-Shirt mit Smileys o.ä. et voilà: Fertig ist der tierisch angesagte 90er Look, den ich vor allem den Kids nicht abnehhmen kann, die erst Mitte der 90er das Licht der Welt erblickten. Stilgefühl und Trend-Hopping kann man ungefähr so gut miteinander vergleichen wie Buckelwale und Toastbrot.


Eigentlich bin auch ich ein Vertreter und Befürworter des Mottos "Leben und leben lassen." und genauso sollte sich auch jeder kleiden wie er mag, klar. Dennoch finde ich, dass manchmal ein wenig Selbstreflektion nicht schaden könnte. Zum Beispiel dann, wenn man vor dem Spiegel steht und sich ernsthaft fragen muss: "Bin das wirklich ich oder ist das Lady Gaga oder Gwen Stefani in den 90ern?".

 

    AUTHOR:
    LARI BERLIN

    Torture the Artist.

    Schreiberei, Musik, Mode, (analoge) Fotografie, Literatur und Kunst sind die Protagonisten in Laris kunterbuntem Kosmos. Das Mädchen, mit dem in die Wiege gelegten Künstlernamen und einer Obsession für exzentrische Persönlichkeiten à la Ian Curtis oder William S. Burroughs, ist ein wahres Charakter Kid, das es liebt, sich selbst zu verwirklichen.