INTRODUCING: PIA JENNERT

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Wenn die Leidenschaft zum Beruf wird.
© Pia Jennert

Wie ihr sicher schon mitbekommen habt, haben wir fleißigen SM-Girls es uns zur Aufgabe gemacht, euer liebstes Online-Magazin und unser geliebtes Baby jeden Monat in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Da dafür weder Kosten noch Mühen gescheut werden, servieren wir euch monatlich die Crème de la Crème talentierter Hobby- und Berufsfotografen, die wir nicht nur Löcher in den Bauch fragen, sondern die uns auch noch den jeweiligen Monat mit einem hübschen Hintergrundbild versüßen.

 

Im goldenen Oktober ist es Pia Jennert aus Münster, die SM ein neues Outfit verleiht. Die ausgebildete Fotografin arbeitet seit 2012 selbstständig und hat sich allen voran auf Portraitfotografie spezialisiert. Ihre Brötchen verdient sie jedoch auch mit Buchungen für Hochzeiten, Shootings während der Schwangerschaft und Familien- und Kinderfotografie. Wenn Pia mal nicht damit beschäftigt ist ihren Aufträgen nachzugehen, reist sie gerne quer durch die Welt und hält die schönsten Momente mit ihrer Kamera fest. Auf einer solchen Reise durch Gran Canaria entstand auch das Bild, welches SM im Oktober ziert.

 

 

Wie alt warst du, als du deine erste Kamera bekamst und um welches Modell handelte es sich?

Oha, an die allererste Kamera kann ich mich leider nicht mehr erinnern. War wahrscheinlich so eine Plastik-Knipse. Ich hab aber von meinem Vater als Jugendliche seine alte Kamera-Ausrüstung bekommen, das war ne Olympus OM10. Da fing es dann so langsam mit dem "richtigen" Fotografieren an.


Hat sich deine Leidenschaft zur Fotografie sofort entfacht oder eher peu à peu?

Das kam so peu à peu. In meiner Familie wurde schon immer viel fotografiert, wahrscheinlich hat sich da mein Interesse an der Fotografie immer weiter entwickelt.

 

 


Was hat dich dazu bewegt die klassische Ausbildung zur Fotografin zu absolvieren und wolltest du jemals etwas anderes machen?

Ehrlich gesagt wusste ich sehr lange nicht, was ich mal werden will. Ich wusste aber, dass es was Kreatives sein muss. Ein Büro-Job oder ähnliches war nie ein Thema. Und da ich ja viel fotografiert habe, dachte ich mir irgendwann: „Wirst du doch einfach Fotografin!“ Ganz so einfach war's dann aber nicht. In meiner Heimat, Kreuztal/Siegen (besser gesagt Eichen, aber das Kaff kennt ja kein Mensch), gab es keine große Auswahl an Fotografen. Und da ich nicht in so einem klassischen Fotoladen stehen wollte (Passbilder machen, ausdrucken und hier und da mal einen Film verkaufen), bin ich dann nach mehreren Bewerbungen in verschiedenen Städten letztlich in Münster gelandet.

Und jetzt bin ich nach drei Jahren Hamburg wieder in Münster.

 

Wen oder was hast du am liebsten vor der Linse?

Beruflich: Menschen. Offene und sympathische Menschen jeden Alters. Privat sind es ganz klar auch Menschen, aber da steh ich auch ganz besonders auf Landschaftsaufnahmen.

 

 


Hast du bei einem Shooting schon mal irgendwas total Absurdes/Lustiges erlebt?

Als ich noch als angestellte Fotografin arbeitete, hatten wir ein Shooting mit Helge Schneider. Und zu meiner Freude, sogar bei Helge zu Hause. Als Helge-Liebhaberin gab es natürlich viele lustige Situationen an diesem Tag. Eine davon war aber sowohl lustig als auch irgendwie absurd: Im Keller hat Helge eine alte Kegelbahn. Da sollte das nächste Motiv fotografiert werden. Bevor wir die Treppe zum Keller runter gingen, sah ich auf einem Stuhl eine Maske liegen. Helge hat's bemerkt und meinte dann: "Hier (er schmiss mir die Maske zu), fang!" Als ich mir die Maske angeguckt hab, sah ich, dass es die "Hitler-Maske" aus seinem derzeit gedrehten Film "Mein Führer" ist. Ich guckte anscheinend etwas überrascht, was Herr 00 Schneider wohl sehr amüsant fand.


Ist digital besser?

Kommt drauf an, was Du mit "besser" meinst. In jedem Fall ist es schon entspannter bei einem Shooting, die Kontrolle auf dem Display erleichtert die Arbeit. Und natürlich erspart es auch viele Kosten, wie z.B. den Kauf diverser Filme und die Filmentwicklung. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, lernen wollte ich diesen Beruf eigentlich gerade weil mir das Entwickeln von Filmen und das Erstellen von Abzügen in der Dunkelkammer riesigen Spaß gemacht haben. Heute ist das leider kaum noch der Fall, also zumindest bei den Berufsfotografen; da arbeiten die meisten digital, was sich aufgrund der technischen Weiterentwicklung natürlich auch anbietet. Glücklicherweise habe ich aber in Fotografen-Praktika und auch während meiner Ausbildung noch das auftragsbezogene analoge Arbeiten gelernt.

 

 


Was inspiriert dich und deine Arbeit?

Beruflich inspirieren mich meine individuellen Aufträge. Da ich kein Studio habe und ich somit im Freien oder bei den Kunden zu Hause fotografiere, muss ich mich jedes Mal erneut auf eine neue Situation/Location einlassen. So inspiriert mich jeder Auftrag aufs Neue.

Im privaten inspiriert mich ebenfalls das Neue, allerdings anders als bei Aufträgen. Auf Reisen fotografiere ich ganz anders als im Job. Mir fremde Kulturen und Landschaften lassen mich in einen leichten Fotowahn verfallen. Da ist es manchmal echt schwierig, die Umgebung zu genießen; ich mach das dann häufig durch die Linse.


Was hast du schon von der Welt gesehen und wohin möchtest du unbedingt noch reisen?

Also bis jetzt war ich in den USA, in Thailand, Afrika, Spanien, Italien, Frankreich, Tschechien, Dänemark, Österreich, Schweiz, Niederlande und in Deutschland, da meistens an der See. Was ich noch sehen will? Am liebsten alles. Ich bin da sehr offen und es gibt kaum ein Land, das mich nicht interessieren würde.

Zum Beispiel geht's im November auf die Philippinen. Und bis ich mich mit meinem Freund auf dieses Ziel festgelegt hab, hatten wir noch acht weitere Länder auf dem Zettel. Wie man sieht, ist es schon schwierig das nächste Ziel festzulegen.

 

 


Hast du Vorbilder?

Aus fotografischer Sicht? Da hab ich eigentlich keine Vorbilder, es gibt echt viele tolle Fotografinnen/Fotografen. Aber wer mir spontan einfällt ist Berthold Steinhilber. Er ist zwar auch kein Vorbild, aber er macht meiner Meinung nach sehr außergewöhnliche Fotografien. Diese Art der Fotografie ist zwar auch von Vielen kopiert worden, aber seine Landschaftsaufnahmen haben dennoch einen ganz eigenen Stil. Ich mag einfach seine ganz eigene Art der Ausleuchtung der Motive, das macht seine Fotos sehr besonders. Den würde ich also eher als einen meiner Lieblings-Fotografen bezeichnen.


Wie würdest du dich selbst in fünf Worten beschreiben?

Offen / selbstkritisch / überpünktlich / albern / immer hungrig.

 

 

 

Hast du einen Lieblingsspot in Münster?

Ne, eigentlich nicht.


Wie sieht deine Zukunft in zehn Jahren aus?

Ich fotografiere. Hoffentlich. Den Rest weiß ich noch nicht, möchte ich auch jetzt noch nicht genau wissen. Aber: Gerne ein Häuschen mit Veranda, am besten an einem See. Aber ob See oder Meer, da will ich mich nicht festlegen...schön wär's.

 

    AUTHOR:
    LARI BERLIN

    Torture the Artist.

    Schreiberei, Musik, Mode, (analoge) Fotografie, Literatur und Kunst sind die Protagonisten in Laris kunterbuntem Kosmos. Das Mädchen, mit dem in die Wiege gelegten Künstlernamen und einer Obsession für exzentrische Persönlichkeiten à la Ian Curtis oder William S. Burroughs, ist ein wahres Charakter Kid, das es liebt, sich selbst zu verwirklichen.