FW STOCKHOLM | Ida Sjöstedt SS15

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Queen of F*cking Everything
© Stockholm Fashion Week

Von Prinzessin bis Partychic, so in etwa ließe sich wohl die Frühjahr-/Sommerkollektion von Ida Sjöstedt umreißen. Unter dem Motto „Queen of F*cking Everything" schickte die schwedische Designerin neben Hippies, Trashbarbies und Prinzessinnen auch so manch elfengleiches Wesen über den Catwalk. Alles zu dem Zweck, die Weiblichkeit in all ihren Facetten zu feiern. Denn genau die steht bei dem Ganzen im Fokus.

 

Sjöstedts Kollektion lässt sich als Persiflage auf das gegenwärtige Verständnis von Weiblichkeit lesen, das Frauen in erster Linie mit Sex, billigem Auftreten und Oberflächlichkeit gleichsetzt. Je kürzer der Rock, je höher der Higheel und je mehr Glitzer sowie Bling Bling den weiblichen Körper zieren, desto weniger scheint der Mensch, das Individuum, dahinter zu zählen. Indem nun aber gerade diese Elemente aufgegriffen und visuell in den Fokus gerückt werden, gelingt es Sjöstedt auf faszinierende Weise, uns das eigene, vorurteilsgeladene Denken vor Augen zu führen. Ihre Botschaft an uns: Steh auf und steh deinen "Mann", oder anders ausgedrückt: Wehre dich gegen die Fesseln, mit denen man(n) versucht, dich in Grenzen zu halten und gib einen Sch* darauf, was andere über dich denken! Sicher, über den Aspekt mit der patriarchalen Herrschaft lässt sich streiten, schließlich sind es oft genug die Frauen, die sich gegenseitig die Labels aufdrücken und sich in ihrem blinden Neid vor dem eigentlich emanzipatorischen Akt verschließen. Doch das ist eine andere Geschichte.

 

 

Wie dem auch sei, das Ergebnis ist eine Kollektion, die zwischen schimmernden Glitzerpartikeln und feiner, handgefertigter Spitze changiert. Wallende Röcke flirten mit engen, hochbundigen Discopants, während Oversize-Jeansjacken auf bauchfreie Cropped Tops und sommerliche Trägerkleidchen treffen. Farblich dominieren neben Weiß und Schwarz, knalliges Pink, Zartes Rosa sowie leuchtendes Grün-Türkis. Dazu kommt ein geschicktes Spiel mit Transparenz, die mal sparsam, mal all over eingesetzt wird, meist aber von Blumenranken druchbrochen ist. Außerdem sorgt eine gehörige Portion Glitzer für den optischen Wow-Effekt, egal ob man es persönlich nun tragen wollen würde oder nicht.

 

Bei all dem ist auch ein Einfluss der 90er Jahre gleichzeitig unverkennbar. Das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts feiert dertage in Stockholm sein großes Comeback. Die Straßen sind voll von jungen Modemenschen, die sich das Logo Shirt übergeworfen haben, die Adidas-Trainingsjacke darüber und Hörnchen à la Miley Cyrus auf dem Kopf herum tragen. Klar, dass es da bis zur "Girl Power" nicht mehr weit ist, auf die sich Sjöstedt, die selbst ein Kind der 90er ist, beruft.

 

Ob das Ganze am Ende tatsächlich auf der Straße funktioniert, bleibt abzuwarten. So manch spannendes Stück ist aber in jedem Fall dabei gewesen. Und wir erheben spätestens für den feministischen Ansatz der Kollektion beide Daumen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    AUTHOR:
    LAURA SODANO

    Lebe lieber ungewöhnlich.

    Mode. (Pop-)Kultur. Feminismus. Was für die einen nach Schizophrenie par Exellence klingen mag, ist für sie selbstverständlich. Die Dame, die mindestens so gerne und schnell redet, wie sie denkt, sprudelt nur so vor kreativem Kopfchaos, von dem ihr Umfeld selten verschont bleibt. Sprache ist ihr Medium. Das nuancierte Spiel mit pointierter Artikulation ihre Waffe. Schokolade ihr Laster. Bei Mode und Literatur setzt ihr Verstand nur zu gerne aus.