Filmtipp: The Virgin Suicides

lola
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Verlorene Jugend.
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Wenn es etwas gibt, worüber sich Welt gerade unterhält, dann ist es über den neuen Film von Sofia Coppola. "The Bling Ring" ist seit dem 15. August in den deutschen Kinos und auch von jedem einzelnen meiner Freunde scheint es nur ein einziges Echo zu geben: "Den muss ich unbedingt noch sehen." Ja, muss ich auch. Bevor es allerdings soweit ist, möchte ich die Aufmerksamkeit unserer geneigten Leser auf einen der ersten Filme der talentierten Drehbuchautorin und Regisseurin Sofia Coppola richten: "The Virgin Suicides". Um ehrlich zu sein, gehörte dieser Film bis vor wenigen Tagen auch noch zu meiner Liste der "Die muss ich unbedingt noch sehen"-Filme und ja, ich weiß, welcher Filmklassiker mir damit vorenthalten blieb. Erst dank der neuerlichen Gespräche über Coppolas neuen Film und Coppola selbst ist mir wieder in den Sinn gekommen, wie wenige Filme ich bis dato von ihr gesehen hatte und dass ich "The Virgin Suicides" von 1999 doch nun endlich mal sehen muss. Das habe ich dann auch.

 

Die Geschichte spielt in einem kleinen Vorstadtidyll in den 1970er Jahren. Dort lebt die Familie Lisbon mit ihren fünf Töchtern Cecilia (13), Lux (14), Bonnie (15), Mary (16) und Therese (17) in einem streng behüteten Heim. Um die Mädchen ranken sich eine Menge Geheimnisse und vor allem den Jungen der Nachbarschaft sind sie ein Rätsel. So wird die Geschichte auch aus der Perspektive eines dieser Jungen erzählt, der inzwischen erwachsen ist und einfach nicht über das Geschehene hinweg kommt.

 

 

Der Film beginnt mit den Worten des Erzählers "Cecilia war die Erste, die ging." und damit mit dem missglückten Selbstmordversuch der Jüngsten der Lisbon-Schwestern. Nach dem Vorfall wird den Eltern vom behandelnden Psychologen empfohlen, Cecilia den normalen Umgang mit männlichen Altersgenossen zu ermöglichen. Deswegen beschließen ihre Eltern für Cecilia eine Party zu geben, auf der auch ihre Schwestern und Jungen aus der Nachbarschaft anwesend sind. Cecilia verabschiedet sich nach kurzer Zeit und wird wenig später tot von ihrem Vater aufgefunden. Ab diesem Zeitpunkt verschärfen die Lisbon-Eltern die Regeln für ihre Tochtern. Trotzdem gelingt es dem Mädchenschwarm Trip Fontaine (der junge Josh Hartnett mit eigenwilliger Frisur), der sich in Lux Lisbon verliebt hat, ihre Eltern zu überreden, Lux zum Abschlussball auszuführen - unter der Bedingung, dass er auch für die anderen Schwestern eine männliche Begleitung organisiert. Nichts leichter als das. Von diesem Zeitpunkt an nimmt die Geschichte ihren Lauf. Das Ende nehme ich an dieser Stelle nicht vorweg, immerhin sollt ihr heute Abend doch noch einen Grund haben, diesen Film zu sehen. 

 

 

 

Was am Ende offen bleibt, sind die Gründe für den Selbstmord von Cecilia und den Ausgang der Geschichte. Gibt es da vielleicht noch etwas, das dem Zuschauer vorenthalten wurde und eine plausible Erklärung liefern würde? Oder sind die Worte von Cecilia ganz am Anfang des Films Erklärung genug, als ihr Doktor zu ihr sagt, sie sei doch noch so jung und wisse noch gar nicht, wie hart das Leben ist. Cecilias Erwiderung: "Waren Sie schon mal ein 13-Jähriges Mädchen?"

 

Der Film zeigt die Tragik der Jugend, die manchmal so schwer sein kann und unrational denken lässt, das es keinen anderen Ausweg zu geben scheint. Neue Eindrücke auf einen sich verändernden Mädchenkörper, gepaart mit der Angst und dem zwanghaften Aufhalten-Wollens dieses Prozesses durch die Eltern. Wer weiß schon, was in den Köpfen von 13- bis 17-Jährigen Mädchen so vor sich geht? Fest steht, dass der Film einen hilf- und ratlosen Zuschauer zurücklässt - genauso wie es die Nachbarsjungen noch Jahre später sind.

 

 

    AUTHOR:
    LOLA

    Modemädchen durch und durch.

    Minimal Chic und New Sports ist ihr Metier, über Normcore und andere Phänomene der Mode kann sie nickend Romane erzählen und trotz Totalausfall beim Anblick der neuesten Laufstegbilder und Lookbooks ist die Dame nicht auf das Köpfchen gefallen. Lola liebt Kopenhagen und Kafka, hat eine Schwäche für Männermode und Musikhits, ist aber auch für Kunst und Kitsch zu haben.