CPH FW | Henrik Vibskov AW14

lola
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fashion
Von Küchenutensilien und Handarbeit.
Fotos: Copenhagen Fashion Week

Zugegeben - man hat ja oft das Gefühl, Dinge zu verpassen. Dennoch kann man zumeist damit umgehen. Was mein Herz und ich allerdings nicht so einfach verkraften können: Dass ich bei der Kopenhagender Fashion Week in der vergangenen Woche nicht dabei sein konnte. Die ein oder andere Träne habe ich verdrückt bei dem Bilderschwall, der mir über verschiedene Kanäle zugespielt wurde und mir immer wieder ins Gedächtnis gerufen hat, (erstens) dass København die wahrscheinlich wunderschönste, bestangezogenste Stadt an der Ostsee ist und (zweitens) die Modewoche eine der kreativsten überhaupt ist. Und (drittens) vielleicht noch, dass ich mich arg in Stadt und Menschen verguckt habe, Auswanderung nicht ausgeschlossen. Vergangene Woche drehte sich dort also alles noch mehr als sonst um die Mode und einige meiner persönlichen Lieblingslabels haben ihre Kollektionen für die Herbst-/Wintersaison 2014/15 präsentiert.

 

So auch Henrik Vibskov, seines Zeichens Designer, Künstler, Filmregisseur und Musiker, dessen Shows und Kollektionen für die Symbiose aus Mode, Kunst und Musik bekannt sind. Auch die Locationwahl ist jedes Mal bezeichnend für seine Arbeit und liefert den Rahmen, in dem er seine Mode aufleben lassen kann. Dieses Mal wählte er - so wie auch im Sommer - eine alte Lagerhalle im Hafengebiet Kopenhagens, in der er eine riesige Halterungen installierte, an der er Stoffbahnen hinabhängen ließ, deren Anblick an trocknende, selbstgemachte Spaghetti erinnerte - eine gelungene Visualisierung des Kollektionstitels "Spaghetti Handjob". Jene, die man auch in vollkommener Ordnung bzw. Unordnung und in unterschiedlichsten Formen an den Kleidungsstücken wiederfindet. Sie werden sozusagen zum bestimmenden Element, das in Handarbeit angebracht wurde. Nikes Erklärung für den Kollektionsnamen und sich das dahinter verbirgende Konzept hat mir allerdings fast besser gefallen: "Eine Anspielung auf unsere Gesellschaft? Darauf, dass spindeldürr ein Synonym für Schönheit geworden ist und etliche Männer dieser Erde nach “Handjobs” von Spindelspaghetti-Frauen lechzen?" 

 

 

 

Vibskov ließ sich für die Kollektion vor allem von den Themen Polarexpedition, Nahrungszubereitung und der Ambivalenz zwischen Ordnung und Unordnung inspirieren. Das wird auch in den Entwürfen deutlich, denn die dick eingepackten Models erinnern mit Daunenjacken und -westen, opulentem Strick, Moonboots und fahrradhelmartigen Kopfbedeckungen inklusive Ohrenschutz (meiner Meinung nach très chic und endlich mal etwas für den Kopf, das wirklich gegen die Kälte abschirmt) an moderne Inuits. Noch eine schlichte Kette von Haburi dazu kombiniert und schon bekommt der Look etwas Filigranes. Überhaupt handelt es sich hierbei um eine Kollektion, der man ansieht, dass sie für den Winter gemacht ist und diesem tatsächlich standhalten kann. In der Vergangenheit, gerade auch bei der Berliner Modewoche, hatte man immerhin viel zu oft das Gefühl, die Designer hätten sich in der Jahreszeit vertan und für den Sommer kreiert. Bei Vibskov müssen wir hier und da lediglich noch ein Paar warme Strumpfhosen ergänzen und schon sind wir bereit für Schnee und Kälte. So viel Mut zu "warm" wäre auch von allen anderen Designern dieser Welt zu wünschen. Denn auch dick eingepackt kann gut aussehen, Vibskov beweist es. Adé Frostbeulen.  Chapeau! 

 

 

 

    AUTHOR:
    LOLA

    Modemädchen durch und durch.

    Minimal Chic und New Sports ist ihr Metier, über Normcore und andere Phänomene der Mode kann sie nickend Romane erzählen und trotz Totalausfall beim Anblick der neuesten Laufstegbilder und Lookbooks ist die Dame nicht auf das Köpfchen gefallen. Lola liebt Kopenhagen und Kafka, hat eine Schwäche für Männermode und Musikhits, ist aber auch für Kunst und Kitsch zu haben.